
Ein Kurs, den ich mitten in der Übung pausieren kann, hilft meinem Rücken mehr als jeder Live-Kurs, bei dem ich einfach durchhalten muss. Das ist meine kurze Antwort auf die Frage, die mich seit meinem Bandscheibenvorfall nicht mehr loslässt. Rückengesundheit im Rahmen von Homeoffice-Fitness ist für mich vor allem eine Frage der Kontrolle, nicht der Motivation. Ein solider Pilates-Präventionskurs macht genau das möglich, und zwar unabhängig davon, ob am Ende noch ein Krankenkassenzuschuss dabei herausspringt oder nicht. Darum soll es hier gar nicht in erster Linie gehen.
Aufgezeichnet oder live: Das zählt wirklich, wenn der Rücken mitredet
Manche Tage starten mit einem Rücken, der sich anfühlt, als hätte er über Nacht eigene Pläne entwickelt. An solchen Tagen zählt nicht, wie motivierend eine Trainerin ist, sondern ob ich eine Übung stoppen kann, bevor es wehtut, oder ob ich mit einer ganzen Gruppe weiterlaufen muss.
Eine Freundin schwört bei genau solchen Tagen aufs Schwimmen im Freibad Schwabing, ich schwöre aufs Pausieren-Können. Auf dem Weg zum Viktualienmarkt erzählte sie mir neulich, wie befreiend ihr die Bahnen im Becken vorkommen, und ich musste zugeben: Bei mir wäre genau das der falsche Ansatz, weil ich für mich gemerkt habe, dass mir langsames, kontrolliertes Üben mehr bringt als viele Kilometer im Wasser.
Die Sache mit der Pause-Taste
Bei Pilates geht es im Kern um kontrollierte, langsame Bewegungen, und genau diese Kontrolle lässt sich bei einem aufgezeichneten Kurs deutlich leichter herstellen als in einer Live-Stunde mit fester Uhrzeit.
Der kurze Klick der Leertaste, wenn ich mitten in einer Übung anhalte, weil sich etwas komisch anfühlt, gehört mittlerweile so selbstverständlich zu meiner Routine wie das Ausrollen der Matte selbst.
Wie sehr sich das eingespielt hat, wurde mir neulich klar, als ich meine Kameratasche vom Boden hochhob und dabei einfach weiteratmete, ohne den Atem anzuhalten wie früher.
Ein Live-Kurs bringt dich zum Durchhalten
Bevor ich überhaupt bei Pilates gelandet bin, habe ich monatelang Schmerzgel aus der Apotheke aufgetragen, jeden Abend, ohne dass sich spürbar etwas verändert hat. Es hat kurz gewärmt und mehr nicht.
Ein Live-Kurs hat trotzdem seine eigene Stärke: Man kann nicht einfach wegklicken, wenn es unbequem wird, und genau dieser sanfte Druck hält viele Leute überhaupt erst bei der Stange.
Bei mir war das Problem an einem besonders unbeweglichen Tag genau umgekehrt. Die Trainerin machte weiter, die Gruppe machte weiter, und ich lag mittendrin in einer Position, aus der ich mich lieber langsamer herausbewegt hätte, als es das Tempo der Stunde zuließ.
Homeoffice-Fitness: zwei Formate ehrlich nebeneinanderlegen
Wie man die beiden Formate grundsätzlich unterscheidet, führe ich in Pilates Online Kurs Kaufberatung: So findest du das passende Abo für Zuhause genauer aus.
Für alle mit ausgeprägten Rückenthemen habe ich außerdem meine Pilates&Friends Erfahrungen bei Rückenschmerzen aufgeschrieben, weil dort die Auswahl an rücken-spezifischen Programmen besonders groß ist.
Was ich hier bewusst ausklammere: ob sich ein Abo oder eine Einmalzahlung eher lohnt, wie man eine kostenlose Probewoche taktisch am besten nutzt, welche minimale Ausstattung zuhause überhaupt reicht, was eine Zertifizierung wirklich bedeutet, ob eine App oder der Webbrowser die bessere Wahl ist, wie sich kostenlose YouTube-Videos gegen einen bezahlten Kurs schlagen, was im Homeoffice mit der Sitzhaltung mechanisch passiert, und wie die Levels bei fortgeschritteneren Kursen aufeinander aufbauen. Das würde hier den Rahmen sprengen, und an anderer Stelle gehe ich da genauer ran.
Welche Übungen bei akuten Beschwerden überhaupt ohne Aufsicht vertretbar sind, ist nochmal eine andere Frage, die ich separat behandle. Ob man beim Üben wirklich den Beckenboden anspricht oder unbewusst nur den Po zusammenkneift, ist ebenfalls eine Detailfrage für sich. Und der Unterschied zwischen der Kontrolle, die eine Physiotherapeutin in der Praxis hat, und der Selbstkontrolle auf der eigenen Matte zuhause, ist übrigens auch ein eigenes Thema.
Am Ende gewinnt das Format, das sich an dich anpasst
Wähl einen aufgezeichneten Kurs, wenn dein Rücken launisch ist und du an schlechten Tagen die Kontrolle brauchst, mittendrin anzuhalten oder eine Übung zu wiederholen. Wähl einen Live-Kurs, wenn dich äußere Motivation mehr bringt als Flexibilität und dein Rücken stabil genug ist, um mit der Gruppe mitzuhalten.
Wer zuhause übt, kämpft ohnehin meistens mit denselben Ablenkungen im Hintergrund. Wie sich das mit einem Hund direkt neben der Matte anfühlt, habe ich separat in Pilates Training zu Hause mit Hund beschrieben. Auch das verändert, wie gut sich ein Format am Ende wirklich durchhalten lässt.