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Pilates Online Kurs für den Beckenboden: Meine Erfahrungen nach dem Test

2026.07.11
Beckenbodentraining im Pilates Online Kurs – meine Erfahrungen nach dem Test

Sieben Nachrichten mit fast derselben Frage liegen aktuell in meinem Postfach: Kann ein Online-Pilates-Kurs den Beckenboden wirklich trainieren, oder bleibt Beckenbodentraining zuhause reine Theorie? Seit ich über meine Pilates-Erfahrungen im Homeoffice schreibe, ist das die Frage, die am häufigsten kommt – öfter sogar als die nach allgemeiner Rückengesundheit. Eine der Leserinnen, Imke Rohrbach, hat mir nach einem früheren Preisvergleich geschrieben, mit einer eigenen Tabelle, in der sie für jeden Kurs vorher ausrechnet, was eine einzelne Einheit am Ende wirklich kostet, bevor sie irgendwo auf „Abonnieren" klickt. Die Fragen, die mir nach vier Jahren mit unterschiedlichen Online-Kursen am häufigsten gestellt werden, beantworte ich hier so direkt, wie ich es einer Kollegin beim Mittagessen erklären würde.

Vorweg, weil das bei einem Kursvergleich dazugehört: Diese Seite finanziert sich über Affiliate-Links. Bucht jemand über einen dieser Links einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Empfohlen wird hier ausschließlich, was ich selbst bezahlt habe (einen Kurs sogar zweimal, weil ich das Kündigungsdatum verpennt habe). Von Grafikerin zu Grafikerin: volle Transparenz.

Was hat der Beckenboden mit dem Pilates-Powerhouse zu tun?

Im Pilates ist praktisch nie nur ein Muskel gemeint, wenn von der Körpermitte die Rede ist. Der Fachbegriff dafür ist Powerhouse, und der Beckenboden gehört fest dazu, neben Zwerchfell und tiefer Rückenmuskulatur. Aktivierung bedeutet dabei nicht Anspannen wie bei einem Bizeps-Curl, sondern eher ein sanftes Hochziehen von innen – oft beschrieben mit dem Bild eines langsamen Aufzugs, der ein paar Stockwerke nach oben fährt, ohne dass von außen viel zu sehen ist. Wer das zum ersten Mal versucht, spannt meistens viel zu fest an oder hält die Luft an. Beides bringt nichts und ist auch nicht das Ziel.

Meine eigene Vorgeschichte mit einem Bandscheibenvorfall spielt hier bewusst nur eine Nebenrolle. Ob und wie Online-Pilates gerade dafür geeignet ist, gehört auf ein anderes Blatt, genau wie der Übergang von klassischer Physiotherapie zu einem Kurs ohne Trainerin im Raum. An Ausrüstung braucht es für gezieltes Beckenbodentraining ohnehin kaum mehr als eine Matte, was noch mal ein eigenes Kapitel ist, wenn man wirklich alles auflistet, was sich fürs Training zuhause lohnt.

Tablet mit Pilates Online Kurs für Beckenbodentraining auf der Matte im Homeoffice

Woran du erkennst, ob die Aktivierung wirklich ankommt

Ein zuverlässiges Zeichen kam bei mir nicht auf der Matte, sondern beim Hochheben meines Hundes: kein Ziehen tief im Rücken, kein reflexartiges Luftanhalten, einfach nur ein sauberes Heben, als wüsste der Körper von selbst, was zu tun ist. Auf dem Isar-Uferweg zeigt sich dasselbe, wenn ich über Wurzeln oder unebene Stellen steige – der Beckenboden reagiert automatisch mit, ohne dass ich bewusst daran denke. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Kurs, der nur Bewegungen zeigt, und einem, der wirklich Körpergefühl aufbaut: Am Ende soll es im Alltag funktionieren, nicht nur während der Einheit auf der Matte.

Wie genau eine schlechte Homeoffice-Haltung mechanisch mit einem schwachen Beckenboden zusammenhängt, ist nochmal ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle im Detail durchgehe. Hier zählt vor allem, wie sich die Aktivierung im Alltag anfühlt, nicht die Theorie dahinter.

Welcher Online-Kurs bringt den Beckenboden wirklich in Bewegung?

Bevor ich für irgendetwas bezahlt habe, habe ich wochenlang kostenlose YouTube-Videos ohne Plan durchprobiert – mal zehn Minuten, mal dreißig, ohne roten Faden. Nach zwei Wochen habe ich aufgehört, weil ich nicht mehr wusste, wo ich stand und ob sich überhaupt etwas verändert hat. Mittlerweile nutze ich vor jeder Kursentscheidung konsequent die kostenlose Probephase, die fast jeder Anbieter anbietet. Wie man diese Taktik am geschicktesten für sich nutzt, ist eine andere Geschichte für sich.

Danach habe ich mir gezielt Pilates&Friends Abo angesehen. Mit über 3000 Videos ist die Auswahl riesig, und genau das war für mich im Alltag das Problem: Wenn zwanzig Minuten vor dem ersten Zoom-Call bleiben, will ich nicht erst zehn Minuten lang das passende Video suchen. Pilates Sister löst das anders. Ein kleineres Kursangebot, dafür eine persönlichere Atmosphäre, die sich weniger nach Streaming-Bibliothek und mehr nach Privatstunde anfühlt. Der Nachteil: Es ist deutlich weniger bekannt, und unabhängige Bewertungen sind rar, man muss der eigenen ersten Einheit also mehr vertrauen als fremden Sternebewertungen.

Rückbildung, Rektusdiastase und die Grenzen von Standardprogrammen

Für Frauen in der frühen Zeit nach der Schwangerschaft ist das Thema nochmal heikler, auch wenn meine eigene Schwangerschaft schon eine Weile zurückliegt. Eine instabile Rektusdiastase oder ein noch schwacher Beckenboden vertragen keine harten Wiederholungszahlen im Standardtempo. Genau deshalb lohnt sich ein spezialisierter Fokus mehr als ein Allzweckprogramm für alle.

Der Pilates-Präventionskurs geht das strukturiert an: ein fester Achtwochenplan, der für Einsteigerinnen gut nachvollziehbar aufgebaut ist. Danach ist allerdings Schluss. Für mich als jemand, der Routinen braucht, um dranzubleiben, war genau das der Knackpunkt. Ob ein Kurs am Ende überhaupt zertifiziert ist, ist übrigens eine ganz eigene Prüffrage, die ich hier nicht vertiefe.

App oder Browser: Worauf es beim täglichen Training ankommt

Meine Freundin Berit Vollmann, die beruflich als UX-Designerin arbeitet, testet solche Kurse mit einer ganz anderen Priorität als ich. Sie schaut sich zuerst die App an, bevor sie überhaupt ein Video anklickt, und beschwert sich lautstark, sobald die Bedienung hakelig wird. Bei Pilates&Friends Abo hat sie recht: Bei über 3000 Videos braucht es eine gute Filterfunktion, sonst verliert man sich in der Suche, bevor die erste Übung überhaupt beginnt. Pilates Sister hat dieses Problem naturgemäß weniger, weil die Auswahl kleiner ist – dafür merkt man der App an, dass kein großes Entwicklerteam dahintersteckt.

Ob man lieber in der App oder im Browser trainiert, ist am Ende auch Geschmackssache und bringt eigene Vor- und Nachteile bei Bildschirmgröße und Offline-Zugriff mit sich. Wer wie ich morgens auf der Matte neben dem Schreibtisch startet, merkt schnell, welche Variante sich smoother anfühlt.

Yoga als Ergänzung zum Beckenboden-Training

Wer Pilates auf Dauer zu trocken findet, schaut häufig zu Yoga rüber, und auch mich hat das interessiert. Der Ayur-Yoga-Basis-Kurs ist kein Pilates-Ersatz, sondern eine Kombination aus Yoga und Ayurveda in ruhigem Tempo. Als Ergänzung zur Beweglichkeit funktioniert das gut, als alleiniges Beckenboden-Training aber nicht, weil die gezielte Aktivierung dort schlicht nicht im Fokus steht.

Praktisch ist die Einmalzahlung statt eines laufenden Abos – das nimmt den Druck raus, ständig an Kündigungsfristen zu denken (die Rechnung zwischen Abo und Einmalzahlung habe ich an anderer Stelle mal ausführlicher durchgespielt). Die Videoauswahl ist allerdings deutlich kleiner als bei den großen Pilates-Plattformen, was für Abwechslungssuchende ein echter Nachteil sein kann.

Wer noch genauer wissen will, wo sich Pilates&Friends und Pilates Sister im Alltag unterscheiden, findet die ausführliche Gegenüberstellung in meinem Vergleich Pilates&Friends oder Pilates Sister. Dort gehe ich nochmal einzeln auf Kursaufbau, Trainerinnen und App-Details ein.

Detailaufnahme von Händen auf der Pilatesmatte während einer Ruhepause im Beckenboden-Workout

Mein Fazit für alle, die gerade erst anfangen

Ein Online-Kurs ersetzt keine App, die für dich mitdenkt, und er ersetzt schon gar keine Physiotherapeutin, aber für gezieltes Beckenbodentraining reicht ein gutes Programm völlig aus, wenn man bereit ist, dranzubleiben, statt nach dem dritten Video schon wieder aufzugeben. Wer bei null anfängt oder nach einer längeren Pause wieder einsteigt, ist bei Pilates Sister gut aufgehoben: überschaubares Angebot, persönliche Atmosphäre, keine Video-Flut, in der man sich verliert.

Wie man von dort zu anspruchsvolleren Programmen weiterkommt, ist eine andere Geschichte, die ich für alle aufgeschrieben habe, die schon länger dabei sind. Und falls ein Hund mit auf der Matte liegt: Er wird sie sowieso als sein Revier betrachten, egal welchen Kurs man wählt – man gewöhnt sich daran.