3000 Videos zählt allein die Bibliothek von Pilates&Friends, doch die Zahl, die mich beim Einloggen aber eigentlich interessiert, ist eine andere: wie oft ich das Abo in diesem Monat wirklich geöffnet habe, bevor ich mir wieder überlege, ob sich die 219 Euro im Jahr für mein Homeoffice-geplagtes Kreuz lohnen. Rückenschmerzen vom stundenlangen Sitzen am Schreibtisch sind bei mir kein abstraktes Problem, sondern der Grund, warum überhaupt eine Matte neben meinem Schreibtisch liegt.
Bevor es weitergeht, kurz zur Transparenz: Diese Seite finanziert sich über Affiliate-Links, und wenn du über einen davon kaufst, bekomme ich eine Provision – am Preis ändert sich für dich dadurch nichts. Empfohlen wird hier nur, was ich selbst mit eigenem Geld getestet habe, und dazu zählen auch die Fehlkäufe. Eine Rücken-Yoga-App mit einem Sieben-Tage-Gratis-Abo hatte ich mir letztes Jahr zum Beispiel heruntergeladen, fest entschlossen, diesmal dranzubleiben, aber nach der Testwoche habe ich sie nie verlängert, weil die Übungen ohne roten Faden aneinandergereiht waren und ich schon nach drei Tagen den Überblick verloren hatte.
219 Euro, 3000 Videos: Was die Zahlen wirklich bedeuten
Für eine einzelne Pilates-Stunde im Studio zahlst du in München mittlerweile locker 25 bis 30 Euro. Gehst du nur einmal die Woche hin, liegst du im Monat schon über 100 Euro. Das Jahresabo von Pilates&Friends kostet umgerechnet dagegen etwa 18 Euro im Monat. Genau da liegt für mich die eigentliche Rechnung: Sobald du öfter als einmal im Monat trainierst, hat sich das Abo gegenüber Einzelstunden im Studio schon amortisiert.
Meine eigene Geschichte mit der Matte begann nicht ganz freiwillig. Nach einem Bandscheibenvorfall hat mir meine Physiotherapeutin ziemlich unmissverständlich klargemacht, dass ich entweder jetzt regelmäßig Pilates mache, oder wir uns die nächsten zwei Jahre wöchentlich in ihrer Praxis wiedersehen. Wie ich mich seitdem durch den Rest des Angebots gekämpft habe, steht in meinem ehrlichen Vergleich der Online-Pilates-Dschungel-Anbieter.
Mein Erfahrungsbericht in Zahlen: Was du vor dem Kauf wissen solltest
Ausstattungstechnisch brauchst du für die meisten Einheiten bei Pilates&Friends nicht mehr als eine Matte und irgendwann vielleicht einen Ring oder ein kleines Kissen – wer mit minimalem Homeoffice-Equipment startet, kommt trotzdem durch den Großteil der 3000 Videos in der Bibliothek.
Zertifiziert sind die Trainer:innen alle, was in der Praxis vor allem heißt, dass sie Fachbegriffe wie Powerhouse oder Neutral Spine nicht nur auswendig aufsagen, sondern auch korrigieren, wenn deine Ausführung erkennbar abweicht.
Zugang hast du sowohl über die App als auch über den Webbrowser am Laptop, wobei die App beim Filtern nach Level, Trainer:in oder Dauer spürbar flüssiger reagiert als die Browser-Version. Seit dem letzten großen Update macht das genau an dieser Stelle einen echten Unterschied, wenn man morgens ohne Kaffee im Kopf das passende Video sucht.
Im Vergleich zu wahllosen YouTube-Pilates-Videos merkt man dem bezahlten Kurs vor allem die Struktur an, keine Werbeeinblendung fürs neueste Proteinpulver zwischendrin, sondern Einheiten, die tatsächlich aufeinander aufbauen. Was mich dabei manchmal nervt: Es gibt eine Trainerin (ich sage nicht, wer), deren Stimme so sanft und flüsternd ist, dass ich regelmäßig dabei wegdöse. Fürs Nervensystem sicher toll, aber um halb neun morgens wach zu werden, brauche ich eher jemanden, der mich fordert – zum Glück lässt sich das Video einfach überspringen.
Alternativen im Vergleich: Pilates Sister, Ayur-Yoga und der Präventionskurs
Grundsätzlich stellt sich hier dieselbe Frage wie bei jedem Streaming-Dienst: laufende Abo-Kosten für ständigen Nachschub oder einmal zahlen und dafür ein festes, kleineres Paket. Wenn du erst reinschnuppern willst, bevor du dich für ein Jahr festlegst, ist Pilates Sister deutlich persönlicher aufgebaut und fühlt sich streckenweise wie eine Privatstunde an – für den Einstieg im Homeoffice habe ich das ausführlicher in meinem Bericht zu Pilates Sister Erfahrungen für Anfänger beschrieben.
Der Pilates-Präventionskurs folgt einem festen 8-Wochen-Plan – danach ist offiziell Schluss. Für alle mit Bedarf an dauerhafter Struktur ist das auf Dauer eher unpraktisch, für einen befristeten Einstieg mit klarem Anfang und Ende aber völlig ausreichend.
Wie sich Pilates&Friends im Homeoffice-Alltag gegen Rückenschmerzen schlägt
Ich habe neulich bewusst mitgezählt, wie oft ich mich zwischen zwei Kundenterminen überhaupt einmal gestreckt habe. Nach vier Stunden am Bildschirm war die ehrliche Antwort: kein einziges Mal – und genau für solche Tage gibt es bei Pilates&Friends kurze Nacken- und Schultersequenzen, die sich sogar im Sitzen machen lassen.
Meine Nachbarin Sunniva Dreher schwört auf einen fixen Slot vor halb sieben und lehnt Training nach acht Uhr kategorisch ab – bei mir hängt das Timing eher vom ersten Kundentermin ab als von einer festen Uhrzeit, weshalb wir uns trotzdem gelegentlich per Video-Call zur gleichen Einheit verabreden.
Eine Leserin namens Wulfhild Sternberg hat mich vor Kurzem in den Kommentaren gefragt, wie viel Zeit sie realistisch pro Woche einplanen soll – sie arbeitet Vollzeit ohne festen Feierabend und kann Bewegung meistens nur kurzfristig einschieben. Meine ehrliche Antwort: lieber dreimal 15 Minuten spontan zwischen zwei Terminen als ein fest gebuchter Termin, der beim ersten stressigen Tag ohnehin wieder kippt.
Ob sich das Programm speziell für Leute mit einem Bandscheibenvorfall in der Vorgeschichte eignet, ist eine längere Geschichte für sich, die ich an anderer Stelle ausführlicher behandle. Auch wie genau sich Homeoffice-Haltung überhaupt auf den Rücken auswirkt, will ich hier nicht aufrollen – das gehört in einen eigenen Artikel und würde diesen hier sprengen.
Lohnt sich das Abo, wenn du nur ab und zu trainierst?
Rechnerisch komme ich auf etwa 15 Einheiten im Monat, wenn ich meine letzten Kalenderwochen zusammenzähle. Bei rund 18 Euro Monatskosten landet eine einzelne Session damit bei ungefähr 1,20 Euro – lächerlich wenig, gemessen daran, dass mein Rücken seitdem deutlich seltener meckert.
Wer sich vorher nicht festlegen will: Pilates&Friends lässt dich vorher eine Gratis-Probewoche durchlaufen, und wenn du die wirklich nutzt statt nur ein einziges Video anzuschauen, weißt du danach ziemlich genau, ob dir Aufbau und Trainer:innen liegen. Trainierst du eher unregelmäßig, also seltener als einmal im Monat, rechnet sich das große Abo weniger – dann sind Einzelkurse oder ein kleineres Paket ehrlicherweise die bessere Wahl.
Fazit: Die 219-Euro-Frage
Wenn du langfristig gegen Rückenschmerzen im Homeoffice trainieren willst und keine Lust mehr auf wahllose Gratis-Videos hast, ist Pilates&Friends für mich aktuell die klare Empfehlung – nicht, weil es das schickste Marketing hat, sondern weil die Rechnung pro Session am Ende einfach aufgeht. Für alle, die eher Richtung Yoga und Ayurveda tendieren, ist der Ayur-Yoga-Basis-Kurs mit seiner Einmalzahlung eine ruhigere Alternative.
Falls du dich fürs Abo entscheidest: Leg direkt nach dem Kauf die erste Einheit im Kalender fest, sonst verstaubt der Zugang genauso wie jede andere gute Absicht zwischen Zoom-Calls. Dein Rücken merkt den Unterschied vermutlich schneller, als dir lieb ist.